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Full text of "Naegele ( 1925) Schillers Vater In GD"

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} aurgcooteit, um aUeS ©münber ©olbfdbmtebefunft aus bem streben* gleich repräfeüiatio, oornebm unb intereiiant in 

e an I su madjeit, gu einem SRubepiinft f«r Sie fdjafc 6er £eirigfreuärircf)c, 6er STalnarienbexg mit i ben formen, eine StunJtßen>er6eau§fteHunß int 


lupwitjicu v^iwuictuicu uuf uei £ius?|ieuung. 


Stuttgart. 


3br, $>. Stuart. 


e^lflcrs flatet fit ©mfitt& nad> einem 
®min«i&nef t>om 3al)r 1764. 

55ott Prof. £)r. Nägele tu ©ntüitb. 

Sro^ rübmlicbfteit ©tferS in ber 2DurE)fudb* 
ung iebeS AHnfelS tm weiten öeutftf;eit ©aterlanb, 
5er Spuren oon ©eaiebungen au nuferen beut* 
Wen diE)terfürften bemabrt bat 06er hemaf)ttn 
Knute, trofc iabrbuubertiangen ©iferS in Aufftö* 
Berung iebeS ©apierflecfdhenS, baS ©rimterungen 
nn ©oeibe unb SdhiEer, menn aud) noch fo gering* 
fügtger Art, überliefert, ift ber Biographien 
Bep. Iiterarbiftorifcf;en gorfebung noch manE)eS 
jjätfel in nuferen Sagen au löfen übrig geblieben. 
3mmer mieber gelingen ehtaelite neue gunbe, bie 
fot^e bmtfle fünfte tm Leben unb (Schaffen uufe* 
* er ötoßeit Siebter aufbeEen, benfe mau nur an 
oen neulicfjen gunb ber £anbfE)rift beS Urfauft. 
©djiEermujeum unb SEarbadher gabrbücber ba* 
Beu, feitbem baS StbiEerjubiläunt 1905 einen 
neuen Anfporn aur SdfjiEerforfcbung gegeben bat, 
nicht umoefentlicbe ©aufteine aur ScbiEerbiogra* 
Bbte berbeigefebafft- 5£>aS gntereffc an Schillers 
«ater, baS nadb ber erften Säfularfeier ber ©e* 
ötopeu SobneS eingefebt unb aur ©er* 
Bffentlicbung ameier biograpbier Arbeiten über 
pbann £afpar ScbiEer geführt butte, fE)eint an* 
löBItcb beS aweibunbertften ©eburtStagS beSfelbett 
nnr au einem „SftepetttionSefiapariifer'im Heimat« 
löttb SchiEerS Anregung gegeben au haben. 25aS 
»je größten LiteraturgefE)idhten u. Sicbterbiogra* 
?bien ohne 3abl, grobe unb Heine, über bie furae 
nnö boeb einflußreiche, für bie ©ttimicflmtg beS 
jungen ©eniuS bebeutfame ©eriobe beS uäterliE)en 
«tefentbalts in Lorch unb ©münb, abgefeben non 
Ben ©eaiebungen au bem eblen Pfarrer SlEofer 
non LorE) bieten, überliefert in bunbertfaE) un* 
XottfroEierBaren SEaE)fE)reiben meiftenteilS bie 
terfdhiebenften falfdbett cbronologifcbcn Angaben 
UBer bie Seitbauer beS LorE)=©münber Auf ent* 
BöltS. #atte ja boeb fogar bis in uitfer Stohrbun* 
Bert herein bie 1876 am ScbiEerbauS in LorE) an* 
Gebrachte gnfcbrifttafel bie gabre falfcb angegeben, 
uutt 1768—66 bie um 2 gabre fpäteren 1765—68. 

Ünt fo mehr freuen mir uns, einen neuen flei** 
nen Beitrag nicht nur aur Chronologien Sieber* 
Mung biefer grübepoebe in SdbiEer£ gugenble* 
®en, fonbern auch einen nicht unbebeutfamen 53au* 
f ettt ^ür $ara£terifierung be§ ebrenmerten 25a* 
*er§ ^°bann $afpar SE)iEer aus einer bei* 
«tätlichen ardbiolofen fRatbau^regiftratur au er* 
palten. <£§ ift ein eigenbänbiger langer ©rief be§ 
peraoglicb mürttembergifebett £auptmann5 <&d)\U 
an ben 9iat ber Ütei^^ftabt ©müttb, am 18. 
a f^ U ? r 1764 att f Rapier ohne Siegel 

»efWeBett in ®münb. Srei goliofeiten umfaßt 
«as mit fräftiger ’£anb gefdbriebene SE)riftftücf, 
«as un§ ben bieberen, al£ fromm unb folib be* 
Bannten ©ater beS f^mäbifdben Sidbterfürften in 
h i* ^ c j^en Sage aeigt. ift bie einfi.mie beute 
nicht aEau feltene offene ^onfeffion unb and) 
«umutige ©eidbte eineg DffiaierS, ber ber Spiels 


letbenfdbaft nadfjgegeben bat unb unter bie ga!fE> 
fpieler geraten ift. ^eben bem literarbiftorifE* 
biograpbifdhen ^eminn eignet bem ScbiEerbrief fo* 
mit auE) ein fulturbiftorifcbeb gntereffe. gE) ner* 
öanfe feine Kenntnis ^rn. Oberbürgermeifter 
SüEig, beffen Sefretär, ^r. Stengle, ihn unter an* 
bereit Urfunben unb Stften fanb unb au beglaubig: 
ter Slbfcbrift überfanbte. 

I. 

Um bag neugefuitbene Sdhriftftücf in ben riE)* 
ftgen Sufamntenbang au bringen, muffen mir ben 
©ater SdfjiEerg auf feinem bisher fc§on belanntcn 
Lebenslauf im ftebien 2)eaettnium beS 18. Qabr* 
bunbertS htra begleiten, gobann Stafpar SEjiEer, 
au ©ittenfetb im gabre 1728 geboren, mar nach 
bem ©robnater, bem ©äEer bafelbft, genannt, bef* 
feit Sohn gobann eS aunt SE^ultbeib non ©itten* 
felb gebraE)t bat. ©eim 2(obe beS ©aterS 1738 mar 
gobann Äafpar, ber ben fEamen ber gamilie bureb 
feinen Sohn gobann (S:briftopb griebridh meltbe* 
rühmt maE)en foEte, erft 10 gabre alt. S)a bei ber 
bebrängten Lage ber iötutter fein beibeS Streben 
nach gelehrter ©ilbung nicht in ©rfüEuitg geben 
Eonnte, bcfdhlob er etraa 10 gabre barauf, bie mili* 
tärifdfje Laufbahn au ergreifen unb auf biefem 
2Beg fein lebenslang feftgebalteneS 3tel au errei* 
E)en, eine höhere ©ilbung unb eine höhere Stet* 
Imtg- SaS gobann 5tafpar SE)iEer in ben raeE;* 
felnbeit Slufen t^aütn ber iabraebntetangen Kriegs* 
aeit niE)t burE;feben fonnte tro^ eifrigen gortbitb* 
ungSftrebenS, bas hegte er als fe§ttlic§ften äöunp 
für feinen 1759 geborenen Sohn. 211S er ihn erft 
im nädhften gabr nop 2lngefiE)t au Stngefic&t feben 
tonnte, rief er nadh einem fpäteren 2luffE;rieb non 
feiner eigenen §aitb auS: „Unb bu, SSefen aller 
2ßefen, S)icb bab ich nadh ber (Geburt meines eiitai* 
gen SobneS gebeten, bab bu bemfelben an ©eifteS* 
ftärfe autegen mödhteft, maS iE) auS EEaitgel an 
Unterricht itiE)t erreiE;en tonnte, unb bu baft miE) 
erhört." 

Seit bem gabre 1745 mar Sfafpar ScbiEer 
mit menigen UnterbrcE)ungen, mie bie HEarÖacber 
2BunbaratfteEung naE) ber ©ermabtung mit ber 
SirtStoEjter @1. 2>or. ^obmeiS (1749—1753), auf 
ben #auptfE)aupläbett mäbrenb ber brei fE)feft= 
feben Kriege griebricbS beS (groben im baprifE)eit, 
bann immer im mürttembergifE)cit £>eereSbienft 
tätig, unb er fab ein gut Stürf 2Sett. fer ftanb bei 
feiner Gruppe in Unterfranten, als ihm am 10. 
SEooentber 1759 feilt erfter, einatger unb gröbter 
Sohn geboren mürbe nadb her VA gabre älteren 
Tochter (^briftopbine grieberite* 3ur inerten* 
ttung feiner munbäratticben u. religiöS*paftora* 
len gürforgejür bie Solbaten in ©öbnten mürbe 
ber SCbiutant ünb gäbnridb ScbiEer aunt Leutnant 
beförbert tm gabre 1758, bann 1761 aunt $aupt* 
mann. 

Leiber uerfolgt ©ruft Äetter im erften unb ein* 
aigen, ohne geplante gortfe^ung gebliebenen grei* 
Bürger (^pmnafialprogramm (1884/85) gobann 
^lafpar ScbtEerS gngenb nnb miliiärifE)e 2)ienft* 
iahte nur big aunt gabt 1757 in ber für unfere 


3mecfe notmenbigen unb miEftmtmenen, bis ins 
einzelne genauen E)tonologifE)en SluSfübrlidbfeit. 
SdbiEerS ©ater bat fpäter felbft ein „ßnrrtculum 
vitae mcae" gefebrieben, eine beute im ScbiEer* 
nationalmufeum au Harbach anfbemabrte felbft* 
gefdbriebene LebenSgefdbidhte, bie aber bureb neuere 
Literarbiftoriter unb bereu reicbliE)ereS, aunerläf* 
figcreS CueEenmatertal mandbe ^drreftur ftdb ge* 
fallen laffen muhte, BefonberS audb binfuhtlich ber 
mürttembergifEien „Campagne" im fiebeniäbrigen 
.^rieg. SE)on ber alte £X ©toftn in feiner ff einen 
©iograpbie non SchiEerS ©ater (1879) bat nadb 
unfereS LaitbmanitS L. ggn* n. Stablinger dte* 
fE)icbie beS miirtt. StriegSraefenS 1856, auf grrtü* 
mer biefer Selbftbiograpbie bingemiefen. 92aE)bem 
ber lebte gefbaug ber SSürttemberger in biefem 
unrühmlichen Anteil an DeftreicbS unb granf* 
reiE)S Seite gegen griebriE) int Sanb »erlaufen 
mar, mar SE;iEer mit bem 9tontanfE)eit Regiment 
feit ©nbe 1760, am 3. ganuar 1761 nach Stuttgart, 
bann mit bem Stab naE) ttradb, 1762 naE) Lnbs 
mtgSburg nerfebt. gn (£annfiatt erhielt er baS 
^öaitptmannSpatent itaE) ©rofinS ©iograpbie. gn* 
beS eine neuere aeitgenoffifebe EEemoirenpublifa* 
tion meip als genaues Saturn ber Ernennung mäh* 
renb beS Uracber Aufenthalts ben 28. gebr. 1761 
anaugcbeit; eS ift ein Stagebucb eines SdhiEer Be* 
fremtbeten 3tegimentSarateS Sdhueibcr ans ©ent, 
ber mit SchiEerS ©ater feit 1759 in mürttembergi* 
fE)en • SJiettften Campagnen im 7jäbrigen $rieg 
mitgemaebt batte. 2)aS non ©äbfer in Aarau ner* 
öffentlichte Tagebuch eines ScbiEer befreunbeten 
IHegimentSarateS im ftebenjäbrigen ^rteg (1900) 
metb noit ber feftücben ©egebung biefer OfftaierS* 
beförbermtg au eraäbteu, bie mit geuermerf ge* 
feiert morbett fei, fie fiel aEent nach mit bem ®e* 
burtstag beS ^eraogS £arl (Sugen anfammen, 
bem 28. gebruar 1761. Auch bte nom gutuuter* 
ri^teten <3n [tan Sdfjumb be^auSgegebenen Urfun* 
beit (1840) über SE)iEer mtb feine gamilte über* 
liefern biefett Termin uiH miberlegen fo bie nodh 
nom bebeutenbften ScbiEerbiograpben gafob 
HEinor feftgebaltene irrtümliche Datierung. 

2)ie offenbar fofort eingetragenen Tagebuch* 
notiaeit ScbiteiberS berichten audb non anberen, 
aeitficb unb örtlich abmeiE)cnben, aufeiuanberfol* 
genben duartierftationen feines greunbeS go* 
bann 5lafpar SE)iEer tu biefen lebten gabre« beS 
fiebenfährigeu Kriegs, ben erften gugenbiabren 
beS SDi^terS, fo u. a. non ber SEeife unb bem 
längeren Auf enthalt, noit SdbiEerS ©atttn in ben 
Sinterguartieren au SBüraburg, ber nodb SEtuorS 
©iograpbie miberfireitet. gm dftober 1761 mußte 
gobann $afpar ScbiEer feinem gremtb SE)netber 
beit erbetenen Abfdbieb Überbringern S)en Ab* 
fdbieb non SdhiEer, feiner grau Liebfien unb fei* 
nen Stinbern, alfo auE) bem Heine« griebridh, im 
duartier, fE)ilbert ber neu begannt gemorbeue 
Sdhmeiaer ^agebuE)nerfaffer. ®tnen ©rief Sdhil* 
lerS an ben in bie $etmat euilaffenen greunb 
bringt baS ^agebn$ nom 24. ganuar 1762. AfS 
§auptmann erf d)eint SdbiEerS ©ater in unferem 


«eugefunbeiten S)ofmüeut nach feiner eigenen Un* 
terfebrift, mie tu bem barauf beaügficben ®mütt* 
ber ÜlatSprotofoE nom 19. ganuar 1764. ©He 
lange mochte er fdhoit in biefer ber mürttember* 
gifE)en ©renaftabt Lorch benachbarten fEeidhSftabt 
meilen? S)eS gefE)äftigen äEußiggangS beS ©arnt* 
fonSlebeitS mar er nach feinem ©iograpben ©ro* 
ftn läitgft überbrüfftg mte ber langen Trennung 
non ©5eib mtb 5linb. Attdh biefer mohlmtterricb* 
tete Autor meiß niE)f, auS meldhem ©runb er bte 
gamifie mäbrenb biefer gabre nicht banernb bei 
ftdb batte; fcineSmegS geltenb an machen fei ber 
non manE)eit angegebene ©runb ber UnfcbtElich- 
feit beS 3ufammenlebenS ber dffiaierSfrau mit 
bent SEann in ber ®arntfott, ba ja fpäter SdhiEer 
mit Seib nnb $ittb in LnbmigSburg Jahrelang 
betfammen mar. 

©ei ber AeußerliE)£eit unb ©införmigfett fei* 
iteS $)tenfteS; bie er »ergebftdh burdh EEatbematif* 
ftunben unb anbere bittet aur ©flege feiner gei* 
fttgen ©ielfeitigfeit au oermittbern fudhte, fam 
SdhtEer bie ©erufmtg als SSerbeofftaier att 
bie LaitbeSgrenae mobl gelegen, fie erfolgte am 
©nbe beS gabreS 1763. gür einen SEann nott 
©bre foE biefer ©often meitig nerloEenb gemefe« 
fein. S)er ©eruf eines SöerbeoffigicrS galt al§ 
nerrufen; große, fchöne Leute mm 5eit mit aEen 
erlaubten unb unerlaubten SEiiteln, mit Lift unb 
©emalt in beit beraogfidhen §eereSöienft geloEt 
^)ie plagen felbft ber Lanbftänbe erreiE)ten feine 
Abhilfe, mie Stablinger für jene Seit berichtet. 
2>ie bei feiner gemobuten Sparfamfeit auSrei* 
E;eitbe 6auptmannSbefolbung betrug bamalS für 
einen SEuSfetierbauptmaitn 1. klaffe 540 fl., 2.^1* 
360 ff., ein ©renabierbauptmann befam 612 fL 
©in befoitbcreS ©lüE erfuhr er mit ber ©etufung 
nadb ©tttihth ©nbe beS gabreS 1763, mie ©rofttt 
ohne due'ii’mtacbmeiS angibt. §öbere Löhnung 
fomtte er ir 5er größeren Stabt ermarteu, mie 
auch enbliEv^ ©efriebigung feiner <Sebttfud)t nach 
bauentber ©^ 5 eintgung mit feiner gamifie, aber 
ber fein Amt utSnabmSmeifc aunt Segen oermal* 
tenbe mürbe att feinem neuen An* 

fteEungSort nergeffep. ©ou ber täglich $u bean* 
fprudheubeit 3 fl. * Löhnung erhielt er brei gabre 
lang feinen £eEer au feben unb mußte baau nodb 
IXnteroffiaicre unterhalten, bie ebenfaES ohne 
Löhnung blieben. . 

(gortfebxmg folgt.) 




-{■.Ts,-?V"5 -•» 


maftf afasma Svpeumeu, $efi 1: 
Suftfafaaeme unb Suftfobtaensmotaceu. §cr. 

ausacBer: 6. SDieger, Sresöen ®erlag: Seutfdje OTotor. 
geitjtfirift, ®resben 9119. $rcis 1.60 M. ®erfanb nur 
gegen ®otein|enbung ober gegen Stta^nabme (1.60 M\ 
— SJteuetfdjeinungen auf bent Sücfiet- nnb Seitf^riften. 
marlt ftetjt man bei bet heutigen UeberfüHung bes 9Karftes 
ntifit o^ne 3urütff)altung gegenüber. 3n^alt, 3me<f unb 
ffieftalfung bes oorliegenben §eftes „Suftfafjrjeuge unb 
2uftfaf)täeugmotorett" einer „$eutf*en Sraftfal)»eug. 


®Wenteau‘ jetgen jebocfi, ba& biefe Srofrfiüre'tatfäcbUd 

emt» it'iii««:*»/ «ct uct iu-ijlv «u. vi» ow» u>m<. v.v |.i »ujuier» äoaiei in unserem eine Sude in ber Suftfafjrtliteratra gusfüüt, 

Nägele, Anton: Schillers Vater in Gmünd nach einem Originalbrief vom Jahr 1764, in: Rems-Zeitung 1925 Nr. 121 v. 27.5., Nr. 123 v. 29.5, 
Nr. 124 v. 30.5. und Nr. 126 v. 3.6. 


























ttxtge |teht, gana in ü&eifc mit tagheller betten* 


6dnHets 9ater in ®münö nad) einem 
®rigtaai&rSef nom 3a$r 1764. 

i j fBm tytvf. Dr. Wägete in Entiinb. 
(gortfc&ung.) 

Der Art mären alfo nach bem Bisher neröf* 
fentlic^ten unb non ben Siterarhiftorikern unb 
^Biographen oermerteten Oueftenmaterial bte 
Seitlichen, örtlichen unb mirifdhaftlidhen Verhält* 
ttiffe Befdijaffen, bte ben aufS Befte karakterifierten 
55atet SdhifterS umgaBen BiS auf bie Seit ber 
Sl&faffung unfereS neugefunbenen Entünber 
Briefs uont 18, Januar 1764. Einige Soeben 
üto$te {Johann $afpar Schifter in ber freien 
AetdhSftabt Emünb feinet menig rühmlichen Amts 
ßemaltet haben, nach ber im Schifter*SRational* 
«lufeum au Marbach erhaltenen banbfchriftlidhen 
< SetBftBiograpbie mar bie SSerfehung 3tobann $fa* 
fpar SdhifterS nach Emünb am 24. DeaemBer 1768 
erfolgt Da fiel ber in mannen gclbaügen nor 
^em &einb Beam. feinblichen SBolkSgenoffen et* 
Profite gelbfcher unb Offiaier in eine Eefatt* 
genfehaft, bie oiefteicbi bem SBater eiltet SSunber* 
ftubeS hätte nerhängniSooftet merben können, als 
eine foldhe burch fJeinbeS Hanb, er geriet in bie 
iMfeln ber Spielteibenfchaft. Sn einem langen, 
freimütigen SBrief an ben SRat ber «Stabt Entüitb, 
ber. mit nur 6 tpräbifaten in ber Anrebe Bebadht 
^irb nach bem Schmulft u. IBomBaft ber SRebemcife 
lener Seit, aeigt er einen Abenteurer namens 
<orena Sdhmelaer megen gatfchfpielS an unb 
üjeift in 5 fünften bie Datfadhe feinet Betrüge* 
flf^en HanbelnS nach. Er Begrünbet bie Anacige 
in ber Einleitung mit ber im rationaliftifdEjen 
Settalter üblichen, moralifierenben Darfteftung 
oer Sßflidfjt, ftcb unb anbere nor Schaben au mar* 
nett, baS eigene SJntereffe mie baS gemeine SBcfte 
äu mähren. Et meif* non bem fchon geraunte Seit 
oauernben Aufenthalt eines „Aoenturier in ber 
«nute". Die SBirtfdbaft aur Spanne hotte barnalS 
ein Entünber ^Bürger namens Stahl inne nach 


I ^UStUUTtSmOgttChteU Unö non öer tfUUe Oe& ge 1 fem t|t. £5t. £>. Stuart* | mingen— ^uuejiDorr— $)eroeriingeii. 


bem SRatSprotokoft nom 19. {Januar 1764. 28eil 
Schifter erklärt, nicht mehr länger barüBer fchmei* 
gen au motten, muh ein Bereits längerer Aufent* 
halt in ber SfteichSftabt angenommen merben- 

Schon am Stage nor bem Schreiben hat er 
bem StabtfpnbituS Mitteilung gemacht, mohl au* 
er ft münblich, morauf bte fchriftlichc (Eröffnung 
anbern DagS folgte. Der in ber 2Sett herumrei* 
fenbe Hodhftapter Sdhmelaer Betreibt baS Pharo" 
genannte Haaarbfpiel als einaigeS EemerBe, mie 
Schifter in Eegeitmart mehrerer Honoratioren 
non hier, fomie beS AmtmannS non Sordh non 
bem ^Betrüger felBft erfuhr, Durch fpipübifdhe 
Art ber SBefdhneibung, Eaftriermtg ber non ihm 
felBft angefdfjafften Spielkarten, monon Schifter 
5 groben bem StabtfpnbifuS eingefanbt hat, mo* 
Bei mir genaue SBefd^reiBung after angemanbten 
Manipulationen erfahren, meih er bie Mitfpieler 
au hiutergehen, mie überhaupt er ein Meifter mar, 
bie Seuie unnermerft in feine $Refee au atehen. 
Sein mpfterieufeS SBerhalten, SBefchlie&mtg feines 
SimmerS, felBft SBerftopfung beS Schluffello^S, 
Geheimhaltung feiner ^torrefponbenaen, öftere 
ABmefenheü, Geheimnistuerei gegenüber bem 
OBerftleutnant Graf non Huppert Beim SBanfma* 
dhen führt Sdhifter als neröächtige Momente an. 
2)ag er fdhon um Neujahr feft in ©rnünb fehhaft 
mar, aeigt ber non, ihm namhaft -gemachte Saft 
Jlüpert, an ben um bie 3eit beS neuen 3ahrS ber 
ftalfthfpielcx herangetreten fei. 

9cun kommt baS Mea culpa beS heraoglidf) 
mürttembergifchen HouptmannS; im Verkehr mit 
öiefem als ^alfchfpieler Bekannten Abenteurer 
lieh fich ^ater Stifter in ein Spiel ein unb ner* 
kor bank jener obengefchilberten kniffe ben ejanaen 
©tnfah non 55 fl. (SE)aS Seichen gleißt gana bem für 
Sdhifting üBlid^en, ift aber im fRathauSprotokoft 
beutli^er.) OB eS BaS erftemal mar, bah Haupt* 
mann Schifter fpielte unb hereinfiel? (SS fcheint 
mit nidhten, bemt in feinem AnkkagefdhreiBen Be* 
antragt er HerauSBeaahtung nicht nur beS 2 £age 
nor bem SchreiBen nerlorenen (Selbes, fottbern 


audh noch meiterer „oorber fchon nadh unb nach an 
ihne nerlohme ongefähr 25 fl." Um ben Stabtrat 
eher aurn Eingreifen in biefe Spielgef^ichte au 
neranlaffen, bamit ber Sdhmittbler bie Beträdhtlidhe 
Summt BerauSBeaahle — non Strafe ift nicht bie 
Sftebc — nerfpricht Schifter 29 fL non biefer ner* 
korenen Summe ben Amten ber Stabt au fdfjen* 
ken. SDem auch fonft Bekannten offenen, ehrlichen 
£arafter Johann £afpar Schifters macht ber be* 
unb reumütige Schluh beS ^Briefs afte Ehte unb 
uerföhnt mit feinem nicht gerabe auhergemöhn* 
liehen Fehltritt. Er Bekennt, bah biefer ganae 
Vorgang ihm menig Ehre mache unb Bittet beS* 
halb ben SRat, „bie Sa$e nidht aur SBeitläufigkeit 
kommen au kaffen, fottbern fo kura als mögkidf) 
hochgeneigtift unb gerechtst au entfeheiben". 

2)iefe SBitte fcheint ber fRat ber Stabt eöenfo 
rüdtfidhtSnoft akS fdhkeunigft erfüllt au haben, bah 
erft heute bie 9tachmett non biefem unehrenhaften 
Hanbel etmaS erfahren hat. OB eS auch au Ohren 
ber ebkett ©aittn gekommen fein mag? 3eben* 
faHS hat ber Stabtrat non dhnüttö bie Sache fehr 
fdhneft erlebigt. Sdhon am fokgettben Stag, ben 19. 
Q'attuar 1764 3oniS b. i. Donnerstag, erfolgte öaS 
im ^ßrotokoklBudh 1764—5 S. 7 aufgeaeickjnete „re* 
folutum". Darnach Betrug bte oertorene Summe 
gar 89 fl., bie ber nidht mit fftamen genannte 
„Heraoglidj mttB H« HauBtmann . . Bep Seonharö 
Sdhmelaer nerfpiehlt". Danon foften ihm nach 
feinem fdhriftlicijett Engagement '50 fl. aurücfge* 
geben merben, bett Armen ber iReft (?) unb bem 
$antenmirt Stahl 29 fl. Beaahlt merben. Sn ei* 
nem meiteren Sah, an bem einaelne SBörter ner* 
klebt finb, mirb Verfügung getroffen, über bte 
Seit ber SBeaahlung ber Ouoten, a* einer Bin* 
nen 6 Wochen. DaS Eelb foft in fegueftro liegenb 
nerbleiBen, BiS ber, mie eS fcheint, mohl inamif^en 
nerbuftete ^Betrüger aurüefkommt. Sollte er nicht 
kommen, foften feine fegueftrierten Effekten ner* 
kauft merben. Des meiteren nernehmen mir aus 
bem SRatSprotokoK noch non 3 meiteren Opfern 
beS SJatfdhfpieterS, bte offenbar non ®münö ge* 


Biirtig, nicht fo gefdhont unb mit tarnen genannt 
merben, bie Beiöen DeBler unb $afpar SepBolb* 
DaS Eelb, baS biefe oerfpielt haben, foft „als fJiS* 
cal au einem armen HauS appliciert merben". OB 
biefe unangenehme Affäre mit bem Salfchfpieter, 
int Protokoll heiht er Seonharb, nidht mie im SBrtef 
Sorena, Sdhmelaer, uitferem mackeren, ehrenmer* 
ten, fonft tabellofen Ehrenmann ben Boben ber 
9teidhSftabt Balb au heth hat merben taffen? Die 
nerfdhiebenen ^Biographen, bie non biefem Vorfall 
nodh keine Kenntnis haben konnten, geben als 
Erunb beS SöedhfelS beS Aufenthalts non ©mihtB 
nadh bie fofifpieltgere Haushaltung Beam. 
teurere SelBftnerpflegung an; fo SBrofin, Salaer 
u. a. Caroline non SBolaogeu, beS Dichters 
Schmägerin, Schmefter feiner ©emahtin, geB. non 
ßengefelb, fdhreiBt in bem non ihr nerfatUen Se* 
Ben Schifters, ber Heraog habe ben SSater im 
3ahre 1765 nach SchmäBifdh*Emünö als SBerBe* 
Offizier gefanbt unb ihm erlaubt, in bem näcfjften 
mürttembergifchen (^renaort, bem Dorf unb ^lo* 
fter' Öordh, au leben; ihr nadh unter ben nieten audh 
HanS Sehern in feinem großen SBerk: Sdhifter unb 
feine Seit. Sollte fdhon a* St. biefeS Spietftan* 
balS ber Hauptmann Sdhifter in Sordh gemohnt 
haben? SRidht als ob ich biefer ber Sitbenftedher* 
unb Haarfpalterarbeit fo mancher Eöthe*Sdhifter* 
Biographen unb Philologen ebenbürtigen Srage 
ein Eemicht Beilegte, Berühre ich biefe $ontro* 
nerfe. 3nbeS menn man fdhon an jeher bur^ben 
Aufenthalt eines Eroßen gemeihten Stätte eine Ee* 
benktafet mit Datierung anbringen mift, fo foHte 
bie Seitbeftimmung bodh mohl genau ftimmen. 2Se* * 
gen ber Bebeutfamen ^ugenbeinbrücke, bie auf baS 
empfinbfante Gemüt BeS aum Dichter geborene« 
SohneS unfereS Emünber SSerbeoffiaierS non be« 
Beiben SRachbarftäbten auSgehen foftten, ift bie 
Seftftellung beS mirklidhen ober »ermeintlidhe« 
SadhoerhaltS «idht ohne literar*hiftorifdhe SBe* 
lange. (Sortf. folgt.) . 











» av * föetöertoeö &\ei tur ote sittgrtTfe oer i uu^utunau ovu yut vci, wtu|ujm*ujuM,yirc* j —- 0 3 9 ??%W -m — — n^SIlS— 'ZZTS? 

laBfifdje# gBaitoiniftett unb tnifitätiicBen ©es Sledjfettfjaaß in SKaituBeint, 6er ftdj jur foäialt. atetäjlommt. gür 6ie Beit bom 1. Snnuar Bi3 31. SJtärj 
lolitifer. Smmer unb immer triebet wirb ftifdjen Partei 6e£ennt, u. a. folgenbeg gefd)rieben: 1 1924 fietraat abioeicEien& Biebern ber ©taatäfteuerfafc 5 b. 


itHcrs 9äter in ®mön6 nac& einem 
C&riginai&rief oom 3al)r 1764- 


Von $iof. S5t. ERägele ttt ®müttö. 
(gortfefeuug.) 

III. 

$tit öem SlBfcptuß 5er Spietaffäre fottten je* 
nfaftg 5ie Vegiepungett oott Sdjifterg Familie 
8u 5er fcptoäBifd)ett SReicpgftaöt ©utitnö nidjt aBge* 
todjen BteiBen. (Bicher ift öurcp mtfer Schreiben 
5er Stufentpatt öe£ Vaterg Schifter in ®münö für 
längere 3eit, ©nöe öeg 3ahre£ 1763 unb sweifel- 
log am Stufung oon 1764 erliefen. ferner a^ngt 
5er Vrief oon 5er öutch eigeneg (Streben erreid)* 
ten geroiffen SIftgetneinBilöung öeg ehemaligen 
VorBierg. 2)ie Sa^Bitöung tu öern 3 (Setten tan* 
gen Schreiben ift taöeftog, 5ie Orthographie 5er 
aiemlid) aahtreich eingeftreuten tateinifchen ober 
ftauaöfifdjen 3rremömorte forrett, für bei5e roirö 
immer öie lateinifdje Schrift angeroanöt mitten 
i« 5er öeutfdjen fräftigen Statur, non öer id) 
eine $robe int ^acftmile 5er llnterfcfjrift öeg »or* 
twmentofcit 3*amitiennamcng bieten fann. Olein 
lateinifrfj finö 5ic mofjt in 5er Sdjule ju 2)enfen* 
öorf grunögetegten Stugörücfe mie Negotium (®e* 
fÄ8Jt)i 5ie Sfafugbilönng non Syndikum, Hono* 
ratiorum, Pastoris, peritus in arte (Örödjntantt, SRei* 
ffcr in feinem §ad)). fRein frangöfifd; Hingen mt5 
finö gefdjrieben 5ie SBörter myst£ erieux, ordre unö 
Mete anöcrc, ferner castriert, Profession, Provision, 
Articul, Pharo, Interesse, Delation, Correspondenz, 
debanquiert. Söfcaetdjen finö mepr al§> beute üb* 
Kd) gemncbt. 2)ag (Stngeftäitönig feiner (Sdjulö 
nnö öie (Sorge für feinen gefähröeten SRuf ebren 
5en Sftann. 23ir meröen annehmen öürfen, öaß 
Jnit ber S3itte um Verhütung 5er VSeittäufigfeit 
ebeufomobl öie Surcpi oor Öen fdjarfen Obren öeg 
mit bet ©e»öbüu gemeint fein mtrö. 


d)amit geben mir öen SBorttaut Öe§ mer!mür= 
öigen 2)ofumentS in öie meite 2Belt 5er Schifter* 
freunöe bin^n^ al§ Heinen Beitrag Stifter* 
biograpbte ou§ öern Ort öer furzen Stufte ft ung 
Sobamt ^afpor S^ifter^ al% SBerbeofft^ier in 
©ntünö, 5o§ erfte unö einzige S)ofument über öen 
©münöer Stufentbntt oon Stifters Später in öer 
fftemSfiaöt, 5o§ öen sngreifenöen #änöen öer 
Stuttgarter StaatSarchinare mie öer aft$u miftig 
abtiefernöen Staötnermattung entgangen ift. 

Sitte ^taöiitim, öie fid) in ®ntünö non ®e* 
fd)ted)t au feefdjlecbt erbalten bat unö in einem 
Stguareft 2:iefenbrottn^ öeg oerbummetten ©mün* 
öer StRatergenie^ in öer @r||röfcben SBilöercbronif 
im Stäötifd)en SRufeum feftgebatten ift, mcib m 
ntelöen, öer ji;nge Srieöridö habe roäbrenö feinet 
(befu^^meifen oöer öanernöett?) Stufentbalt§ tmr 
öer SSirtfdöaft aum SRitter „SRärber gefpiett. 2)er 
öureb Sdjifterg Sd)mefter beaeugte (^ang auf öen 
Saloator fann ja au^ trnrn Öord;er Slufentbatt 
au@ erfolgt fein. 

So ift un§ enötidö nadj aft öen unnerbiirgten 
!Ra(bri$ten öer furae ©münöer ,unö öer längere 
£ord)er Stnfentbatt non Sd)ifter§ SSater unö Sa* 
mitie aeitticb mie örtlich genauer beftimmt. 

§ier öer SSorttaut öeö Originatbrief^: 

SSobtgebobme unb boebebefgebobrne, ^ 0 (bgeIebrte, 
unb SSobtmeife, 3nfonber§ bo^geebrtifte $. £ertnl 
ift afterbtngä bie $fli<bt eitte§ ieben ebrlidjcn 
SRanne^ baß.'@r feinen SORit* unb Sieben SJtenfäjen für 
(Staben marnt unb überhaupt für ba§ gemeine SSefte ber 
ntenfäjlicbett (Sefeftfdjaft eben fütoobl at§ für fein eigen 
Sntereffe beforgt ift. Stu§ tiefem ©runbe ift e§ mir nicht 
möglitb gemefen; noch länger ju üerfdjmeigen, ba§ ftcb 
allbier in ber töbftiiben] freien 3teicb§*Statt ©münb, u. 
amar in ber Verberge gur Äante, ein geftiffer Stbanturier 
3tabmen§ Soreng' ©tbrneljer febon eine geraume Seit auf* 
hält, meteber außer beme, ma§ ich bereits geftern an 
<5r. ^oeb^öetgebobren, ben ^errn Statt^Sbnbicum, ju 


eröffnen bie (g^xe gehabt, fl# in fotgenben Strticnln, als 
ein fatfdjer Spieler öerbäcbtig gemadjt, unb gmar 

1. ) treibt tiefer Sdjmelger nicht baS minbefte anbere 
Slegotium als ein £>agarb*Spiet, $haro genennet, mie ^r 
benn in (SJegcntoartt beS ^>errn Dberamtm[ann] bon Sorch 
unb etlicher £>onoratiorum bon hier, auf mein Shme 
bieSfaftS gentadüen S3ormurff fetbft eingeftanben, baß (Sr 
frebiieh ftch auf btefe§ ober überhaupt auf ba§ Spielen 
lege, feine Sachen begable unb auf orbre unb ^epencen 
eineg gemiffen $aftortg bon Stehen, auf biefer feiner 
$rofeffton, in ber SBelt herum reife. 

2. ) Unb bamit (Sr feineg ^anbtbertg-Bengg aller ör* 
then berfichert ift, fd)affet ©r bie gu biefem Spiel nöthige 
harten ftch fetbft bep, btc aber borher auf eine nicht fo= 
toobt üinftlichc alg bielmehr fptßbitbtfche SBetfe befdjnitten 
unb caftrirt fepn, baß (Sr alg peritug in arte fte bon 
toeitem an bem Sdjnitt ernennen unb hernach fein Spiel j 
einrichten fan. ®iefeg 23efchnetben erforbert, baß er ßd) 
mancpmalen bon feinem $often hiutoeg begeben unb frifche 
$robifion machen muß, tote er benn ohne Bmeifel beß* 
toegen, erft bor einigen Sagen bon hier abgegangen, unb ; 
bep feiner 3urüdlunft ein $acguett harten burch einen 
S3otten nachtragen taffen, bon metchen ich an Sr. $üdj; 
(Sbetgebohren etc. ben ^>errn StattsSpnbicum, 5 gange | 
Spiele gugefteftt, bie aftefamt unb befonberg Me Figuren, i 
unter fotchen aber ber Slatet bon Sreffte bergeßalten be* . 
fchnitten, baß man ohne Slnßanb bie garbe, unb bep bie* 
fern Sßatet ben fchmargen $utp, öurd) baS gange Spiet 
heräug erlernten lann. Saft an allen SBtlbent ift ber fon* 
ften ftd) befinblid)e meiße Ülanb biß an Me Sarben, inetche 
an benen Röntgen rotb unb am meifien ftchtlich fntb, mit 
einer Schere unb in bieten harten nicht nach geraber 
Sinie, fonbern Irrnnm abgefchnitten. 

3. ) hat ftch berfetbe um bie Beit beg Sleuen 2ahr§ 
gegen Sr. hochgebohrn, ben ßaiferfttdjen], 5tÖntgl[ichen] 
$>erm Dberftteutnant (Sraf bon ^xippert bernebmen laf* 
fen, baß toenn (Sr mit Sbme Scbmelger eine SBancgue 
machen mürbe, fo mofte (Sr Shme etfca (Seil: bon fei* 
nen SBetrügerepen) fagen. 

4. ) Öft biefer Sdpmetger m feinem führenben SSrtef* 


ououng, fo tauten csie tu vev 'upoigeie zo voramm 
metßes (£italboI»Söad)s, um öamit öie befajftenen §aut- 
[teilen gu beßaubeln. Sidjer: Obere Slpotbefe. 5492 



mechfel unb fonßen, bergeftatt SJlpfteriene, fein Bintmer 
mit einem S3orteg*Shloß gehoppelt berfchtoffen, bag 
Schluffelloch mit $apier berftopft, baß \a niemanb etinag 
bon feinen berbächttgen Verrichtungen unb (Sorrefponben* 
gen entbeden fofte, melche ^eimtichteit mehrenteitg etn 
böfeg (Setoiffen angeiget, dahingegen berfelBe 

5.) in feinem äußerlichen Umgang bie role eineg gang 
anbern SJlenfchen fpielet, unb barburch bieientgen, bie ftch 
fetneg Vetrugg berfehen, ohnbermertt in feine Sle^e 
giehet. 

(SBen auf biefe Strt gefthahe eg, baß ba ich borgeftertt 
SIBenb, ba ich einen guten 0?reunb Bep mir hatte, u. Bloi 
gum dibertiffement eine Heine Vancgue bon — 55 ©ul* 
ben auffe&te, ftdt biefer Schntelger auch hingu machte 
unb burch feine ^enntnuß ber Partien tu Bett bon einer 
halben Stunbe bie Vancgue boftig beBancguirte. 

1 dahero ich neBft biefer meiner marhafften delatioit 
(Sitten afthieftg hoch^ unb SSohimeifen, ho^IöBtichen Statt* 
SRagiftrat hierburch gehorfamft unb gegtemenb erfuche, 
biefen falfchen Spieler Sdjmetger gerechtermaßen bahin 
angnhatten, baß (Sr fobjoht biefe 55 ©ulben alg auch öie 
borher fchon nach unb nach an thne bertoprene ohngefäpr 
25 ©ntben toteber peraughaate, ba tep ban piebon 20 
©ulben für bie aftpteftgen Strmen piemtt üBertaffe. 

Unb ba tep enbltip erlenne, baß biefer gange Vorgang 
mir menig (Spre macht, inbem iebermann fagen unb ge* 
beulen lau, marurn ich mich mit einem fotchen Vetrüger 
eingelaffen: So Bitte ich augletch gang geporfamft, baß 
©in poch 5 unb SBohtmeifer pochtöBt[tiher] SRagiftrat, bie 
Sache nicht aur SBeitlänftgleit lommen taffen, fonbern fo 
lurg at§ möglich hachgeneigtift unb gerechtift entfcp eibett 
modpte. 

SSomtt ich au hoher, ©emogenpeit mich geporfamft 
empfehle, unb in aftmarpafftiftem Sflefpect berparre 

©. ©uer ^>ocps unb SBopltoeigpeiten 

gang gepotfatftftee 

©miinb b. 18ten 1764. Schifter, 

^>auhtmamt- 

(Sd}luß folgt.) 




















SSichexfyxiteMttQ bet {Ottatttttg in ©djcrnggat att 
entfenben. ©>te Haltung ber cgittefifcgen Regier* 


6#föers 9<uer in ®mün$ nad) einem 
®rigin«i&rief »om 3a&r 1764. 

$ott ^ftof. S)r> Näsele in ©trnittb. 
(©tgluß.) 

IV* 

(£üt Porträt tum Sogenut Stafpar ©cgiEer als 
Seutncmt (Delgemälbe) Befaß ttacg beut Marbadjer 
©cgiEerBucg, u>o e£ reprobuaiert ift (1. 1905 ©. 66) 
grau Slmalte ®ießling4h:üger in Mbcfntügl. 
Sötlbntffe au£ bem ©cgiEermufeum Bringt 93anb8. 

2 ©age uor feiner Söerfefemtg nadg ®münb, 
Me am 21 ©eaemBer 1763 laut eigenem felBftBio* 
grapgtfcgen ßeBenSIauf (Oanbfcgrift int ©Ritter* 
ntufeum) erfolgte, erging eine ^nftrnftion an ben 
SöerBeoffiater ftanytmann ©Ritter, fie ift batiert 
22* ©es* 1763, non ^ergog Starl feTBft unteraeicgnet 
unb ntit Bern großen müritemBergifcgen ©tegel 
oerfegen. £>ie 28erBeinftru£tion für ©cgiEerg 
SSater ift int MarBadger ©dgiEers-ftationalmufeunt 
ergatten, au£ Slntaß meiner Mitteilung üBer Ben 
©ntünber ©cgiEerBrief im gleichen ^agreSBeridßt 
be£ ©cgtEernereinS foeBen non Bern oerBienien 
SSereinSnorftanb £). ©üntier ueröffentlicgt morBen. 

Sttfituciian. 

SSornadj fug Unfer #auBtmamt ©djiHer Bon ©aBelena» 
Regiment neBft Bcnen Beg fug gaBenben Unter OfficterS 
auf Ber igme gnäbigft üBertragenen SerBung au ber* 
Balten. 

1. 

<3oEte felBtger mit Benen igme angegebenen Unter 
Officier allen menftgenmögliigffen Steig unB Miige an» 
menben, and) feine einzige ©orgfatt bagtn rügten, Bie 
SBerBung mit aEer SeBgaftigfeit nnb ognermübetem ©ifet 
an Betreiben, BaBeg aber feine umtötgige Soften auftoen* 
Ben, fonBer fo gut alS mögli(g anff Bie Menage Ben 
£3eBac$t negmen; 

2 . 

Bnm Söegnff Ber igrne gnäbigft anbertrauten Ser* 
Bung empfangt er an Benientgen ©tanb, Beg toeügem er 
feine SerBung etablieren foEe, Bon UnS göigff aigen* 
gänbig unterfcgrieBene StcguifttorialeS, melige er auf Bie 
göftiigfte Strt gu übergeben gat. UnB gteiigmie 


ttalienifcgen mgrung entgegengmmnen. I j^ lMt mitriVn in m £ ranfe ngauS naeg SBaben* 

- I 23aben gebraut. 


3. 

SlEe nnb lebe ©jaeffe forgfältigft au bermetben, nnb 
feine Urfacgen an Ben geringften Utagben an geben fxnb; 
Sttfo gaben Sir an igme £aubtmann ©tgiEer baS gnä* 
bigfte SSertranen, baß felbiger feine Untergebene Unter 
OfficterS in guter Drbnung gatten, nnb fie Bagin an» 
meifen merbe, Bag fie fttg Beg benen $errf<gafien nnb 
OBrigfeiten, mo fie fegnb, Befdjaiben nnb göffti(g con* 
Bniftren, nnb Babnrcg igre ©emogengett ftig auaiegen, 
meligeS in Ber SerBung einen boraüglüg großen nnb 
guten Effect gaben mirb. 

4. 

©amtt feiner ©etegengeit gäbe, ftdj Beg fcgletgtem 
Sortgang ber SSerbnng Bagin an entfcgulbigen, man gäbe 
niegt 3nftgng genug in Ben SBirtgggängem, too Bie Sie» 
cronten am erften nnb Beften an Befommen, fug fegen an 
Taffen; ©o moEen SSir fotgenbe Diäten einem ieben tag» 
litg neben feinem OrBinair»^ractamcnt gnäbigft BetöiEi* 
gen, nnb ab)ar 

1 ©nbattern Officier . . . 1 ft. 30 fr. 

1 Unter Officier 40 fr. 

toüban fte fi<g aber fetbft an bergflegen, nnb Ber Officier 
niigB foeiterl a!0 Bie etira ieantoeiten nötgige fßoft 
©etbter für fug ejtra Bonificirt an ergatten, aueg BaS 
Onartier ©etb, fo iebotg nur anff Bie £aubt SSerbganger 
an berftegen, a fj^arte an berreegnen gaben foEcn. 

S>a alfo 

5. 

foibogt ber Ober Officier für fidj aI3 amg beffen unter» 
gebene Unter OfficierS fegr biogl Beftegen fönnen; fo 
berfegen SBir Un§ an benenfetben gnäbigft, bag ffe in 
ber SSerbnng igren St^& nnb ©iffer na<g Beften ^rafften 
berboggten, nnb BefonberS jener btefe gterau anfrifdjen 
toerbe. 

6 . 

®a£ J^nnb ©etbt Betreffenb, fo foEe ein ütecrout mit 
&anb ©etbt Stnbring nnb 3Ögrnngä*SToften, nnb über* 
ganbt aEen StuSIggen Big aur ©tunbe feines ©ngage* 
ments, niigt göger an ftegen fotnmen, als mie folgt: 

1 Sttann a 6 Sng 2 3oE . . . « . 9 3teicgStgaIer, 

1 Mann.3 3oE . . . * . 15 Sfttgtr, 

1 Mann.5 3oE.25 Sttglr, 

1 Mann 4 3oE ., 4 * , 20 üttgtr. 


1 Mann.6 3oE nnb megreren ntggft. 1 ) an 

Beriigten, nnb gnäbigfte 9tefotntion an getoartten fegn: im 
SaE aber ^erientnm in mora 2 * ), nnb bie ©elegengeit einen 
fo legen Mann bon Bern legte ren Meg an Befommen, in 
fotganer 3b>if<genaeit aus ^nben gegen fönnte, fo ift 
felbiger coute Ou’il coute 8 ) an engagiren. 

7. 

S)aS SXIter Betr., geget foIcgeS bon 17 Bi§ 35 Sagren. 

8 . 

2)enen fflecrontcn ift BaS ^enratgen Beg Bern ©ngage* 
ment nidgt einanbingen, eS märe bann, bag ein Mann bon 
6 Sug 2 nnb megrere 3oEen fttg niigt anberft, atS mit 
biefer ©onbttion engagiren tooEte. 

9. 

®enen SluStänbern ift, fo biel immer mBglitg, bie 
©agitutation nigt meniger atS anff 6 ^agre an Stccorbi« 
ren, benen ^nnlänbcrn nnb ßanbS Stinbcrn gingegen gar 
feine (Saüitutationn einanbingen. 

10 . 

SlEe S)efcrtenr§, nur aEein bie ^agfferlttge auSge* 
nommen, barfen angenommen, 

11 . 

Seutge bon aEen Nationen angetoorben merben. 

12 . 

#übf<gett Sentgen bon 6 Sng 6. 7. 8. nnb megrere 
3oE fan bie ^erfigernng ber Stecebtion unter bas erffe 
SBataiEon ber ^craogl. ÖeiB ©arbe an Sug ertgeitet 
toerben. 

13. 

SlEe nnb lebe Stecronten ftnb auf bem 2BerB ?piaa 
genau bifttiren an Taffen, bamit folge nt<gt aEererft aE« 
gier nad) igrer ©tntieferung megen S)ienft Untücgtigfeit 
miebernm enttaffen merben miiffen. 

14. 

©in jeher Stecront gat bon ber ©tnnbe feines ©ngage* 
mentS an, Big er natg ©tnttgarbt fommt, t&gltdj 15 Ir. 
anr SSergftegnng an embfangen. 

15. 

©er jebeSmaglige ©ranSgort gefigieget an bic nädjft* 


1) = nntertänigft. 

2) trr ©efagr im SSerang. 

8) ^ Eofte, maö eS foffen moEel 




gelegene ^eraogl. ©ränaffabt, aEtoo Ber Stecront 
nommen, nnb beffen ©ranSbortierung bon ©tation 
©tation bnrtg bie £>eraogl. Beamte meiter Beforgt I 
SSobeg aber jebeSmagten ein bon bem Ober Officier unter» 
fegriebener SieffernngS* ober ©ranSbort*©(gein an Ben 
erffen ^eraogl. Beamten einanfenben, toorinnen beS öle. 
cronten Nationale, BaS igme accorbirte ^anb ©elbt unb 
©abitnlation, tote auig, ma§ bcrfelbe an bem ^anb ( 
etma Bereits baar ergatten, nnb lote toeit er berb 
fege, an melben ift, nnb a^ar gefigieget ber SranSbort 
bon ©miinb neeg Sorcg. 

16. 

©arff einem SSurgertiigen Mann, ber Bi| an 
©ränaffabt notgigen SaES mit trcntSbortiren gitft, 

20 fr. Beaaglt merben. 

17 ‘ 

©oEc an UnS niigt nur bon Bem ©ucceß ber 23er* 
Bung nntertggffer Stabbort fleißig erffattet, fonbern aug 

18. 

8lEc Monatg mit STuSgang BeSfcIBen bie 
ßifte über bie angetoorbene nnb tranSbortierte 1 
beßgleiigen bie Stecgnnng über bie ©innagme 
gaabe beS ©elbteS gemaigt nnb eingcfigidt feerben, 
fotoügl ber OBcr» als bte Unter OfficicrS fug bo 
gaben, baß ignen jeher Stccrout BaS embfangene j 
nnb 8}erbftcgnngS=©clbt in ber fügrenben nnb 
nnng Begantcgen gabenben National Siffc un 
nnb orbentt. Bcfigennigct. 

19. 

©igließtid)cn loirb ber anff SSerbnng con 
^aubtmann ©djiEer giemit gnäbigft angetoiefei 
eine Sfkeußifdje 23erbung ffeg in bortiger ©egenb 1 
foEte, nnb bon Unfcren ©cferteurS ober Unte: 
merben mürbe, foldjc Scutge alfofort in Unferem ! 

Bcg bemjenigen ©tanb, mo er ^aubtmann auf 
liegt, an rectamiren. 

Sie bann autg an Befferer ©rraitgintg fotigen 
amedS bcrfelbe in bemjenigen Ouartier, mo bic : 

Scrbnng fug entgalt, füg and) cinantogiren, ober ei 
Unter Officier bagin an bertegen gat, bamit auf bei 
©gun nnb Soffen beffo genauere Siegt gegeben 
lönne. * . 

©tuttgarbt ben 22. ©ec. 1763.